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Chemnitz – Ein Jahr danach 
Dokumentation, D 2019 
Heute | 22:45 | Das Erste 
Im August vergangenen Jahres geriet Chemnitz in die internationalen Schlagzeilen. Nach dem gewaltsamen Tod von Daniel H. mobilisierte sich die rechte Szene. Denn der mutmaßliche Täter soll ein Flüchtling sein. Höhepunkt der Proteste: Am Montag, den 27. August gehen 6000 Menschen auf die Straße. Wütende Chemnitzer demonstrieren an der Seite von Neonazis und Hooligans. Angst machte sich breit unter Flüchtlingen, Scham unter Chemnitzern, die den Hass nicht teilen. Ein Jahr nach den verstörenden Ereignissen fragt der Film, wer in der Stadt nun den Ton angibt. Menschen aus verschiedensten Lebenswelten kommen zu Wort, zeigen ihren Alltag. Wie hat sich das Leben hier verändert – und das Sicherheitsgefühl? Viele Menschen mit Migrationshintergrund sind heute ängstlicher. Wir lernten die syrische Familie Algaber vor einem Jahr kennen – da wagte sie sich kaum noch vor die Tür aus Angst vor tätlichen Angriffen. Das Gefühl, ignoriert oder abgelehnt zu werden, schwand in den letzten Monaten nicht. Inzwischen sind die Algabers aus Chemnitz weggezogen. Hunderte Menschen mit ausländischen Wurzeln in der sächsischen Stadt sind keine Flüchtlinge, sondern Akademiker – Studenten oder Lehrende an der Technischen Universität. Ihr Leben findet auf dem Campus statt. Hier fühlen sie sich sicher – und akzeptiert. Aber außerhalb? Ist es eher keine Stadt für Migranten, meint die Professorin Olfa Kanoun seit den Demonstrationen im vergangenen Jahr. Sie stammt aus Tunesien und lebt seit über zehn Jahren in Chemnitz. Die Wissenschaftlerin freute sich eigentlich darüber, dass in den vergangenen Jahren das Leben in Chemnitz bunter wurde. Genau dieses "buntere" Leben hat auf andere Chemnitzer eine eher negative Wirkung. Sie fühlen sich "nicht mehr zu Hause", beklagen die gestiegene Migrantenkriminalität, meinen, die Innenstadt sei unsicher. Heute wie vor einem Jahr. Sie haben sich ein Leben in ihrem Viertel, zwischen Wohnung, Kleingartensparte und Vereinskneipe eingerichtet. Auch Matthias Singer, der Wirt des Gartenlokals "Zur Vogelweid" und viele seiner Stammgäste sehen das so. Der Fakt, dass Chemnitz im Vergleich mit Leipzig und Dresden die sicherste Großstadt in Sachsen ist, tut dabei nichts zur Sache. Mit dem geschwundenen Sicherheitsgefühl in der Stadt müssen auch die Mitarbeiter des Ordnungsamts umgehen, die hier Streife laufen. Sie sollen zusammen mit der Polizei Präsenz zeigen. Die 21-jährige Krankenpflegerin Margarete Rödel war von den Demonstrationen vor einem Jahr schockiert. Sie hat sich entschlossen, politisch aktiver zu sein, will ihre Stadt nicht den Rechten zu überlassen und engagiert sich bei der grünen Jugend. Der grüne Aufwind unter jungen Leuten motiviert sie und ihre Freunde. Der Unternehmer und Immobilienbesitzer Lars Fassmann lässt Gebäude sanieren und unterstützt zahlreiche kulturelle Initiativen – auch um mehr junge Menschen nach Chemnitz zu locken. Denn Chemnitz ist eine überalterte Stadt – die älteste Großstadt Deutschlands. Ist das auch ein Grund dafür, weshalb Menschen wie Arthur Österle hier besonders Gehör finden? Er war Chefordner bei den Pro Chemnitz Demonstrationen vor einem Jahr. Heute bekennt sich Österle zur AfD, die sich inzwischen von Pro Chemnitz distanziert. Auch bei der AfD bringt er sich als Ordner ein. Es kommen deutlich weniger Menschen zu öffentlichen Veranstaltungen. Aber die Stärkung der deutschen Heimat ist ihm weiter ein Anliegen. Und Österle ist sich sicher: der Einfluss der AfD wird stärker. Bei den Stadtratswahlen hat seine Partei 18 Prozent geholt – Pro Chemnitz 7,6 Prozent. Dieser Film ist nach der Ausstrahlung ein Jahr lang in der ARD Mediathek verfügbar (Stand: 13. August 2019). 
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